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Letzter Feldpostbrief des Luftwaffenhelfers Werner Fröhlich an seine Eltern
Stellung, 5.9.1943

hr Lieben! Die besten Sonntagsgrüße als Flakkanonier sendet Euch Werner. Ich liege zur Zeit in Sandershausen, also ziemlich weit entfernt von Kassel. Es geht mir aber noch sehr gut. Die Verpflegung und auch die Unterkunft ist prima. In unserer Baracke sind 12 Klassenkameraden, alles ordentliche Kerle. Der Dienst besteht zur Zeit nur aus Unterricht, da wir noch nicht eingekleidet sind. Ich gehöre leider nicht zur Geschützbedienung, sondern bin zur Messstaffel eingeteilt. Natürlich darf man über Dienst und Geräte nichts näheres sagen, das kann ich ja mal erzählen, wenn ich auf Urlaub bin. Raus brauchen wir noch nicht, also kann man tadellos ausschlafen, denn Zapfenstreich ist schon um 9 und Wecken um 7, bei Fliegeralarm verschiebt sich das Ganze um 2 Stunden. Also, Ihr seht es lässt sich hier aushalten. Sonst wüsste ich nichts Neues.

Viele Grüße an Alle
Euer Werner

         

 
 

"Heldengräber" der gefallenen Luftwaffenhelfer

 

 

 

 

 
     

 

Trauerzugzug durch Kassel und Beerdigung der gefallenen Luftwaffenhelfer

 
     
  Von der Schulbank in den Tod  
  Von Herrn Helmut Kirschmann, 1994, Bericht in der WZ vom 03.11.1994  
 

Am 3. Oktober 1943 wurden in Sanderhausen 48 Soldaten, darunter 23 Schüler aus Eschwege durch eine britischen Bombe getötet.

 
  Eschwege/Niestetal  
 

„So ganz leise hörte ich ein Stöhnen, sah immer noch das Zappeln dieses lebendigen Trümmerhafens. Was dann geschah, das kann ich nur in einem Bild ausdrücken. In einem Kornfeld rauscht die Sense. Die getroffenen Halme neigen sich zur Seite, drängen sich zusammen, fallen nieder und bleiben regungslos liegen. Dieses Bild des Sterbens prägte sich bei mir ein: still liegen, stumm werden und regungslos bleiben.“ Roland König der dies geschrieben hat, ist einer der Überlebenden eines Bombenabwurfs, der britischen Luftwaffe am 3. Oktober 1943 in Sandershausen. 48 Soldaten starben damals, darunter waren 23 Schüler der Friedrich-Wilhelm-Schule Eschwege – 15- und 16jährige Jugendliche, die vier Wochen zuvor als Luftwaffenhelfer zur Flakstellung am Schwalbesberg/ Ecke Osterholzstraße eingezogen worden waren.

 
  Spurensuche  
 

Hilmar Eisenhuth aus Kassel-Bettenhausen besuchte das Eschweger Gymnasium , wurde im Januar 1944 als Luftwaffenhelfer verpflichtet. Der sinnlose Tod der ehemaligen Schulkameraden, über die in den Archiven so gut wie nichts zu finden sei, der während des Krieges und auch danach totgeschwiegen worden sei, hat den 66jährigen bewegt, sich auf Spurensuche zu begeben.

 
  Gedenktafel gewünscht  
 

Er hat den Gemeindevorstand Niestetals gebeten, an dem Ort oder in der Nähe dieser Stelle, an der 48 Menschen auf einen Schlag getötet wurden, eine Gedenktafel aufzustellen. Nicht als Heldenverehrung, wie der pensionierte Elektromeister betonte, sondern als Zeichen der Sinnlosigkeit des Krieges. Eisenhuth: „Jungen Leuten soll vor Augen geführt werden, wo man durch Propaganda hingetrieben werden kann.“ Um die Bevölkerung auf das Thema vorzubereiten, plant der Kasseler gemeinsam mit anderen geschichtlich interessierten Niestalern eine Ausstellung. Eisenhuth begegnete Robert König, der seine Erlebnisse vor und nach dem Bombenabwurf auf mehreren Seiten festgehalten hat, bei dem Treffen der ehemaligen Luftwaffenhelfer der Batterie 1/112 im April dieses Jahres am Edersee. Nach 50 Jahren sah man sich wieder, der Tod der 23 Eschweger Gymnasiasten, darunter auch der Bruder von Hessens heutigem Kultusminister Hartmut Holtzapfel. […]

 
 

Zu diesem (Thema) nahm auch der Werner Dettmar, bekannter Kasseler Historiker, Stellung. Danach zerstörte der am 3. Oktober 1943 auf Kassel gerichtete britischen Luftangriff durch einen „Zielmarkierungsfehler“ nicht wie geplant, die Innenstadt, sondern große Teile von Wolfsanger, Bettenhausen und Sandershausen. Eine schwere Sprengbombe, so Dettmar, habe das Zentrum der Batteriestellung in Sandershausen nahe der Autobahn getroffen, in der hauptsächlich 15- und 16jährige Luftwaffenhelfer eingesetzt waren. Der Bombenabwurf war ein Zufallstreffer, der Angriff nicht gegen die Stellung gewesen.

 
  Steine in Särgen  
 

Von einem ehemaligen Luftwaffenhelfer wisse er, so der Historiker, daß es Andeutungen gegeben habe, wonach sich in einem Teil der Särge nur Steine befunden hätten. Die Explosion der Bombe wäre so stark gewesen, daß man von mehreren Toten nichts mehr gefunden habe.