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Wenn ein Brief Emder Geschichte erzählt

Autor Dietrich Janßen veröffentlichte ein Dokument und erlebte eine Überraschung

Von EZ-Redakteurin INA WAGNER

 

Da staunte Dietrich Janßen nicht schlecht. Er hatte in seinem neuen Buch über den 6. September 1944 „Emden geht unter" einen Brief veröffentlich, der ihm wegen seiner realistischen Darstellung und der offenen Worte, in denen er geschrieben war, besonders gefiel. Und nun meldete sich tatsächlich die Tochter der Briefschreiberin. „Ich stand in der Schlussredaktion, der Verlag saß mir im Nacken, ich hatte diesen Brief, aber keine Zeit mehr, die näheren Umstände zu recherchieren." Nun hat sich Elfriede Peters (81) direkt bei ihm gemeldet.

 
 

Autor Dietrich Janßen und die Emderin Elfriede Peters mit dem Buch, in dem der Brief von Lina Peters eine besondere Rolle spielt. EZ-Bild: Krämer

Im Kriegsjahr 1944 wurde das Bild des Ehepaares Lina und Heyo Peters aufgenommen. Fotos: privat (2)

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Hier lebte die Familie Peters bis 1944: das Haus in der Kleinen Osterstraße.

     

Sie war im Herbst 1944 in Heidelberg, wo sie ihr Examen als Diplom-Dolmetscherin machte. Die Mutter, Lina Peters, schrieb ihr von dem großen Angriff am 6. September, von den eigenen Erlebnissen, vom Verlust des Hauses, von der Angst um den Ehemann, der den Weg in den Bunker nicht mehr gefunden hatte und den Angriff im Freien überlebte. „Ich hatte einige Briefe Emder Bürger zur Auswahl, aber ich habe den von Lina Peters gewählt, weil er so offen und akribisch geschrieben war." Außerdem sei er beeindruckt gewesen, wie direkt Lina Peters den Krieg in dem Brief anprangerte. „Wäre dieser Brief den Nazis in die Hände gefallen, dann wäre er wohl als wehrkraftzersetzend eingestuft worden." Darauf aber hätten schwere Strafen, möglicherweise sogar das Todesurteil gestanden.

Glücklicherweise sei der Brief aber nicht geöffnet worden, sondern direkt bei Elfriede Peters in Heidelberg angekommen. Die bewahrte das Schreiben auf, und als es ihr vor einigen Jahren wieder in die Hände fiel, da übertrug sie die deutsche Schrift in die heutige und vermachte Original sowie Umschrift dem Bunkermuseum. Hier stieß nun wiederum Janßen, der Mitarbeiter im Bunker ist und das Archiv verwaltet, auf das Zeitdokument. Elfriede Peters kam nach Beendigung ihrer Ausbildung und einigen Berufsjahren 1950 nach Emden zurück - übrigens mit dem Fahrrad. Sie fand bei Schulte und Bruns als Übersetzerin und Maklerin Arbeit. Und als die Firma aufgab, wechselte sie bis zum beginn des Ruhestands zur EVAG. Vom Haus der Eltern gibt es nur noch ein Foto, und auch die Werkstatt des Vaters, Schlosser Heyo Peters am Apfelmarkt, gibt es nicht mehr. Was hat die Mutter damals empfunden? „Wir haben nichts mehr zu verlieren. Wenn ich nachdenke, werde ich fast verrückt, doch wollen wir hoffen, dass ihr gut durch den Krieg kommt, dann geht es noch zu ertragen."

• D. Janßen, Emden geht unter, ISBN 3-8313-1411-x  
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